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Einleitung

EINLEITUNG

Der Begriff „Fassade“ wurde aus dem Lateinischen (facies = Angesicht) abgeleitet und ist die besonders schöne und gestaltete Hauptansichtsseite einer Gebäudehülle. Traditionell bezieht sich der Begriff auf die Seite, die der Öffentlichkeit, also öffentlichen Straßen und Plätzen, zugewandt ist. Aus diesem Grund wurde die Fassade schon immer sehr aufwendig und repräsentativ gestaltet.

Das Zurschaustellen einer Gebäudeseite war auch immer das Aushängeschild für die Individualität und den Reichtum und Anspruch des Bauherrn. Dementsprechend hat sich die Aufgabe der Fassadengestaltung über die letzten Jahrhunderte stark verändert. Die Kunst der Baumeister und späte ren Architekten bestand darin, Gebäuden mithilfe von Form, Farbe, Materialien und Struktur ein Gesicht und einen eigenen Charakter zu geben. Die Fassade wird zum architektonischen Blickfang.

Neben der Optik und Gestaltung als wichtigem Erscheinungsbild übernimmt die Fassade auch funktionale Aufgaben des Schall-, Brand-, Feuchte- und Wärmeschutzes. Allerdings wird in dem Zusammenhang dann häufiger der technische Begriff „Außenwand“ oder auch „Gebäudehülle“ verwendet. Er bezeichnet das funktionale Bauteil, das die Gebäudekonstruktion vor Witterungs- und anderen äußeren Einflüssen schützt. Diese können sehr komplex sein und stellen heutige Fassaden vor große Herausforderungen. Neben ästhetischen und qualitativen Ansprüchen sind ökologische und ökonomische Anforderungen zu erfüllen und Aspekte der Nachhaltigkeit und Langlebigkeit zu beachten. Am Design, an der bauphysikalischen Qualität sowie der Wirtschaftlichkeit einer Gebäudehülle müssen sich Architekten, Fachhandwerker und Baustoffhersteller gleichermaßen messen lassen. Die Voraussetzungen hierfür lassen sich auf eine einfache Formel bringen: sorgfältige Planung, fachgerechte Verarbeitung und hochwertige Produkte.

Bauphysik der Fassade

BAUPHYSIK

Ursache und Wirkung

Die Gebäudehülle besteht aus einem Verbund von Wandbildner und einem Putzsystem aus mehreren Komponenten. Art und Zahl der Komponenten richten sich u.a. nach den Einflüssen und Anforderungen sowie der Beanspruchung, der eine Fassade ausgesetzt ist. Die Grafik gibt einen Überblick über die vielfältigen Einflussfaktoren, die auf eine heutige Fassade einwirken.

Untergrund
Zwischen einem neuen Mauerwerk und dem Putzsystem können durch Austrocknen der Restfeuchte oder eine nicht vollfugig ausgeführte Lagerfuge evtl. Spannungen entstehen. Auch nicht aufeinander abgestimmte Materialkomponenten können durch ein unterschiedliches bauphysikalisches Verhalten Spannungen verursachen. Hinzu können statische Beanspruchungen aus der Konstruktion oder dem Baugrund kommen.
Salze
Salze können auf ein Gebäude in der Hauptsache im Sockelbereich, z. B. in Form von mit Tausalz belastetem Spritzwasser, einwirken. Werden diese gefährdeten Gebäudebereiche nicht konstruktiv korrekt gestaltet und ausgeführt sowie mit ausreichenden Schutzmaßnahmen versehen, kann Salz in den Putz oder gar ins Mauerwerk eindringen, dort auskristallisieren und erhebliche Schäden verursachen.
Erosion
Je nach Exposition des Gebäudes unterliegen Fassaden einer starken Windbelastung. Diese verursacht nicht nur einen starken Winddruck oder Windsog, sondern auch über einen längeren Zeitraum einen Abrieb (Verwitterung) der Putzoberfläche.
Verschmutzung
Neben anorganischen und organischen Feinstäuben aus Fahrzeug- und Industrieabgasen kommen mikrobielle Verschmutzungen hinzu. Hierzugehören nicht nur Algen, Pilze und Bakterien, sondern auch Flechten, Mauerspinnen und andere Mikroorganismen, die unter Umständen einen Bio film bilden und das Erscheinungsbild der Fassade beeinträchtigen können. Besonders ärgerlich sind unnötige Verschmutzungen durch Vandalismus, wie z. B. Graffiti.
Algen und Pilze
Mikrobieller Befall hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Hierbei handelt es sich um Algen und Pilze, die vor allem auf hoch wärmedämmenden Fassaden auftreten können. Ursächlich ist das Oberflächenkondensat, das hauptsächlich an Nord- und Nordostfassaden in den späten Nacht- bis frühen Morgenstunden auftritt. Hinzu kommt eine deutliche Zunahme an Sporen und anderen mikrobiellen Partikeln in der Außenluft sowie wachstumsfördernde Faktoren (z. B. Ackerstäube) aus der Umwelt.
Mechanische Belastungen
Durch Abrieb, Schläge oder Stöße, z. B. im Sockelbereich, sowie durch Hagel können Fassaden einer großen mechanischen Beanspruchung ausgesetzt sein.
Frost
Frosteinwirkungen auf der Fassadenoberfläche verursachen zwei Probleme. Zum einen kommt es zu einer starken Auskühlung der Bauteile, sodass sich ggf. vorhandene Risse ausdehnen, die Rissbreite nimmt zu. Zum anderen gefriert Wasser in den Poren, Lunkern und sonstigen Bauteil- und Baustofföffnungen. Infolgedessen kommt es zu einer Ausdehnung und Abplatzung und somit zu einer Zerstörung des Baustoffgefüges. Besonders problematisch sind Frost-Tau-Wechsel, bei denen dieser Zustand noch verstärkt wird.
Thermische Belastungen
Die Einwirkung der Sonnenstrahlung verursacht auf der Fassadenoberfläche zwei Probleme. Zum einen erwärmt sich die Putzoberfläche je nach Hellbezugswert im Extremfall auf bis zu 80 °C. Oberflächenspannungen und Risse im Putzsystem können auftreten, vor allem, wenn sich die Oberfläche, z. B. durch plötzlich einsetzenden Regen, stark abkühlt. Zum anderen ist die UV-Strahlung zu nennen, die zu einem Abbau der Pigmente und somit zu einem Verlust der Farbtonstabilität führen kann.
Saurer Regen
Der Begriff ist zum Synonym für die heutige Umweltbelastung geworden. Konkret geht es um die verschiedenen Säuren, die sich in der Umwelt befinden. In erster Linie muss die Schwefelsäure genannt werden, die besonders aggressiv und am Abbau der Bindemittel beteiligt ist. Außerdem müssen noch die Salpeter- und die Kohlensäure genannt werden.
Feuchtigkeit
Feuchtigkeit ist der Katalysator für viele Schadensmechanismen. Problematisch ist, dass diese nicht nur in flüssiger Form als Schlagregen, Spritz- oder Oberflächenwasser vorkommt, sondern auch durch Tauwasser, kapillare oder hygroskopische Feuchte auftreten kann. Die besondere Komplexität ergibt sich aus der Tatsache, dass viele der genannten Feuchtigkeitsmechanismen parallel auftreten und sich überlagern.

Sicherheit im System

SYSTEM

Der Begriff „Putz“ steht stellvertretend für eine Vielzahl verschiedener Putzarten mit ganz unterschiedlichen Eigenschaften, Anwendungen und Funktionen. Aus diesem Grund werden im Folgenden die einzelnen Schichten gängiger Putzsysteme kurz vorgestellt.

Ein Putz wird je nach Verarbeitungszustand als Trockenmörtel, Frischmörtel oder Festmörtel bezeichnet. Je nach Ort seiner Herstellung unterscheidet man zwischen Baustellenmörtel und Werktrockenmörtel. Es gibt Unter- und Oberputze, dünn- oder dickschichtige Putze, organisch gebundene oder mineralische Putze. Ein Putzaufbau kann ein- oder mehrlagig aufgebracht werden und aus einer oder mehreren Schichten bestehen.

Neben der Bezeichnung der Putze nach Normen und Regelwerken (z.B. Normalputzmörtel) werden Putze nach ihren Eigenschaften (z.B. Wärmedämmputz), Funktionen (z. B. Sanierputz oder Akustikputz) oder Anwendungen (z. B. Sockelputz) bezeichnet. Eine weitere Differenzierung erfolgt nach dem Bindemittel (z. B. Zementputz oder Kunstharzputz) oder dem Aussehen der Putzstruktur (z. B. Kratzputz, Kellenwurfputz).

Diese kurze Auflistung verdeutlicht, dass es eine Vielzahl unterschiedlicher Anforderungen an Putze geben muss. Diese werden über verschiedene Eigenschaften der Frisch- und Festmörtel gesteuert. Hierzu gehören beim Frischmörtel u. a. die Konsistenz, das Wasserrückhaltevermögen sowie die Verarbeitungszeit. Für den Festmörtel sind dies u. a. die Rohdichte, Druckfestigkeit, Biegezugfestigkeit, Haftzugfestigkeit, das E-Modul, die kapillare Wasseraufnahme, Wasserdampfdiffusion, Porosität, Wärmeleitfähigkeit und das Brandverhalten. Neben dem Bindemittel werden diese Eigenschaften über Zuschlagsstoffe, Additive und Zusatzmittel erreicht.

Um diese Eigenschaften auch unter Objekt- und Verarbeitungsbedingungen sicherzustellen, empfiehlt es sich, im System des jeweiligen Baustoffherstellers zu bleiben. Die einzelnen Komponenten sind dann aufeinander abgestimmt und materialverträglich.

Entscheidungsmatrix

ENTSCHEIDUNGSMATRIX FÜR AUSSENPUTZE

Die bisherigen Ausführungen haben gezeigt, dass bei der Planung und Ausführung von Putzsystemen auf monolithischem Mauerwerk im Neubau eine Vielzahl von Faktoren beachtet und Eigenschaften berücksichtigt werden müssen. Daher kann nicht ein Putz auf allen Untergründen eingesetzt werden. Ein einziges Putzsystem wird den unterschiedlichen Anforderungen nicht gerecht. Auf den nachfolgenden Seiten finden Sie eine Entscheidungsmatrix für die gängigsten Mauerwerke und Untergründe, mit der die Auswahl des geeigneten Putzsystems unterstützt werden soll.

Broschüren

Broschüren

Außenputze Neubau

Außenputze Neubau
Grundlagen und Planung
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Außenputze Neubau

Außenputze Neubau
Verarbeitung und Ausführung
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