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Einleitung

ALGEN UND PILZE AN DER FASSADE
HINTERGRÜNDE, URSACHEN UND LÖSUNGSANSÄTZE

Algen und Pilze an Fassaden sind ein zunehmendes Problem. Während man früher nur selten vor allem Algen auf Wärmedämm-Verbundsystemen angetroffen hat, umfasst der mikrobielle Befall heute sowohl Algen und Pilze, zunehmend auch Bakterien und immer öfter auch Flechten. Längst sind nicht mehr nur Wärmedämm-Verbundsysteme und hoch wärmegedämmte Mauerwerke betroffen, sondern selbst nicht sanierte Altbauten – und dies über alle Baustoffarten und Oberflächen hinweg.

Algen und Pilze auf Untergründen und Baustoffen sowie speziell auf Fassaden sind kein Problem nur der Gegenwart. Die Literaturrecherche zeigt, dass man sich bereits in den 1980er Jahren mit dem zunehmenden Problem des mikrobiellen Befalls auseinandergesetzt und nach Ursachen und Lösungen gesucht hat.

Bis weit in die 1990er Jahre war es übliche Praxis, dass man Fassadenfarben und pastöse Fassadenputze optional mit einem algiziden und fungiziden Zusatz ausgestattet hat. Dies musste dann bei der Bestellung angegeben werden und der Zusatz wurde der Produktionscharge zugegeben. Mitte der 1990er Jahre tauchte dann die erste Gewährleistung über fünf Jahre gegen Algen und Pilze auf. Und wieder einige Jahre später war es sogar Branchenstandard, dass alle im Eimer gelieferten Fassadenbeschichtungen bereits werkseitig neben der Topfkonservierung auch eine Filmkonservierung (biozider Filmschutz) besaßen.

Dies war dann auch der Zeitpunkt, ab dem zwischen Qualitäten für den Innen- und Außenbereich unterschieden werden musste. Die ökologische Formulierung der Putze und Farben klaffte immer weiter auseinander. Während man bei Innenputzen und -farben zunehmend auf lösemittel- und emissionsfreie Formulierungen setzte und das Thema Wohngesundheit und nachhaltige Innenraumgestaltung in immer neue Dimensionen vorstieß, stieg die zusätzliche Ausrüstung bei Fassadenputzen und -farben. Dies hat natürlich Ursachen, auf die nachfolgend noch eingegangen wird. Denn die Erwartung an eine moderne Fassadenbeschichtung besteht heute eben nicht mehr nur darin, dass das Bauwerk vor Witterungseinflüssen geschützt wird. Fassadenputze und -farben müssen heute eine Vielzahl von Anforderungen erfüllen, die sich nicht immer vereinbaren lassen.

Deshalb müssen bei der Planung und Ausführung von Fassadenbeschichtungen nicht selten Kompromisse zwischen den technischen, ökonomischen und ökologischen Anforderungen gefunden werden. Eine schwierige Aufgabe, die durch das Thema Algen und Pilze auf Fassaden an Komplexität zunimmt.

Einflussfaktoren

EINFLUSSFAKTOREN

1. Niederschläge/Witterungseinflüsse
2. geografische Lage
3. Luftverschmutzung
4. Bewuchs
5. Verschattung
6. Himmelsrichtung
7. Verschmutzung
8. Sockelausbildung
9. Dachüberstand

10. Wärmebrücken
11. Anschlüsse und Regenentwässerung
12. Beschaffenheit der Oberfläche
13. gesetzliche und rechtliche Restriktionen
14. normative Vorgaben
15. Klimaveränderungen
16. Nutzerverhalten
17. mangelhafte Sanierung

Lösungsansätze

LÖSUNGSANSÄTZE

Wie bereits ausgeführt, setzt sich die Branche seit knapp 30 Jahren mit dem Problem der Algen und Pilze an der Fassade auseinander. In diesem Zeitraum gab es ganz unterschiedliche Ansätze, um das Problem zu beseitigen oder die Auswirkungen zu minimieren. Grundsätzlich muss unterschieden werden zwischen präventiven Maßnahmen (zur Verhinderung oder Minimierung) sowie der Sanierung (Beseitigung). Technologisch werden folgende Ansätze unterschieden:

  • Zugabe von bioziden Wirkstoffen
  • Verwendung von hoch hydrophoben Oberflächen
  • Verwendung von hydrophilen Oberflächen
  • Steuerung über den pH-Wert durch Einsatz von alkalischen Produkten
  • Erhöhung der Wärmespeicherkapazität über die Schichtdicke
  • Einsatz von selbstreinigenden Materialien
  • Veränderung des hygrothermischen Mikroklimas der Oberfläche

Hierbei werden einige Ansätze auch miteinander kombiniert, um die Wirkung zu verstärken.

Bevor man sich über die Materialausführung der Oberfläche Gedanken macht, geht es zunächst einmal um die konstruktive Planung des Feuchteschutzes. Auch wenn sich der Planer im Spannungsfeld zwischen architektonischer Individualität, einer stetig steigenden Zahl neuer Produkte, kostengünstigem Bauen, Aspekten der Energieeinsparung und Nachhaltigkeit sowie den individuellen Wünschen des Bauherrn bewegt, so geht es doch letztendlich um die Errichtung eines Gebäudes mit einer möglichst langen Nutzungsdauer und wenig Renovierungszyklen. Die Wirtschaftlichkeit der Gebäudeunterhaltung sollte das oberste Ziel des „Erfüllungsgehilfen“ des Bauherrn sein. In diesem Sinne sollten bei der Planung

  • wasserabführende Ebenen,
  • Maßnahmen gegen Spritzwasser,
  • ausreichende Dachüberstände,
  • funktionstüchtige Horizontalabdeckungen,
  • fach- und sachgerechte Anschlüsse sowie entsprechende Tropfkanten

berücksichtigt werden. Hierzu muss über eindeutige Formulierungen in den Ausschreibungstexten und in den Plänen zur Ausführung genau beschrieben werden, wie die Umsetzung zu erfolgen hat. Häufig wird dem Fachhandwerk die Art der Ausführung von Details überlassen. Deshalb müssen Ausführungsdetails eindeutig sowie fach- und sachgerecht geplant, beschrieben, ausgeführt und überwacht werden. Dachüberstände schützen die Fassade nicht nur vor direkter Beregnung, sondern reduzieren auch die Wärmeabstrahlung gegen den klaren Nachthimmel, womit oftmals die Bildung von Tauwasser verhindert oder zumindest vermindert werden kann.

Hydrocon-system

DAS HYDROCON-SYSTEM

Das biozidfreie System HYDROCON® setzt auf eine hygrothermische Oberflächentechnologie und war Vorreiter einer ganzen Branche – die Weiterentwicklung setzt neue Maßstäbe.

Biozidfreie Systeme gibt es nicht erst, seitdem in den Medien kritische Äußerungen zu Wärmedämm-Verbundsystemen aufgetaucht sind. Mit dem AQUA PURA-System der SCHWENK Putztechnik sowie dem HYDROCON®-System von quick-mix gibt es nachweislich seit über zehn Jahren Erfahrungen mit sogenannten hydroaktiven Beschichtungssystemen, die nicht chemisch, sondern rein physikalisch wirken. Beide Systeme setzten auf eine biozidfreie Lösung und ein physikalisches Wirkprinzip zu einem Zeitpunkt, zu dem die meisten Experten ausschließlich hoch hydrophobe Oberflächen als Problemlösung kommunizierten. Die Zeit hat alle eines Besseren belehrt und gezeigt, dass diese Systeme genauso von Algen und Pilzen befallen werden (können). Zum Teil sogar noch schneller, als dies vorausgesagt wurde oder zu erwarten war. Ursächlich hierfür ist die vorwiegende Feuchtebelastung wärmegedämmter Fassaden infolge von Tauwasser, gegen das hydrophobe Oberflächen nicht ausgelegt sind.

Hydroaktiv sind Oberflächen, die Feuchtigkeit aktiv aufnehmen und bei Trockenheit wieder abgeben. Über ein Feuchtemanagement der kontrollierten Feuchtigkeitsaufnahme und -abgabe, bewerkstelligt durch einen abgestimmten Schichtaufbau, wird der Untergrund gleichzeitig vor Durchfeuchtung geschützt. Im übertragenen Sinne handelt es sich um sogenannte hybride Systeme – nicht in Bezug auf ihre Bindemittel, sondern auf die funktionalen Oberflächen. Der oberflächennahe Querschnitt der Schlussbeschichtung besteht aus einer Kombination hydrophiler und hydrophober Schichten, die in direkter Wechselwirkung miteinander „kommunizieren“. Somit wird den Algen und Pilzen die für ihr Wachstum wichtigste Grundlage entzogen: Feuchtigkeit.

Früher wurden Beschichtungssysteme in hydrophil, hydrophob oder in jüngerer Vergangenheit auch als hoch hydrophob unterschieden. Unter hydrophob versteht man wasserabweisende Oberflächen mit einem Benetzungswinkel von > 90°, hydrophile Oberflächen dementsprechend darunter. Hoch hydrophobe Oberflächen weisen einen Benetzungswinkel von > 125° auf, ultrahydrophobe sogar über 140°. Durch die Grundlagenforschung im Bereich moderner Beschichtungsstoffe weiß man heute, dass diese Unterteilung längst nicht mehr ausreicht. So unterscheidet man bei den hydrophilen Oberflächen zusätzlich in kapillaraktiv oder -saugend im Gegensatz zu spreizend oder benetzend. Und auch bei den hydrophoben Oberflächen muss man heute weiter differenzieren in perlenbildend und abperlend.

Wirkprinzip – Beschreibung der Oberflächentechnologie

Das HYDROCON®-System von quick-mix basiert auf einer modularen und abgestimmten Technologie des kontrollierten und gesteuerten Feuchtemanagements funktionaler Oberflächen.

1. MEMBRAN-EFFEKT
Die HYDROCON® Silikat-Fassadenfarbe HC 425 verfügt über eine Membran, die nur die für Mikroben wichtigen Tautröpfchen hindurchlässt. Grobe Regentropfen werden blockiert, damit sich das System bei starker Feuchteeinwirkung nicht vorzeitig vollsaugt.

2. HYDROCONTROL-EFFEKT
Mittels eines patentierten Wirkprinzips und einer innovativen Bindemittelkombination ist der mineralische HYDROCON®-Edelputz in der Lage, die bei niedrigeren Temperaturen entstehende Taufeuchte kontrolliert aufzunehmen und zu speichern. Im späteren Tagesverlauf trocknet er schnell und zuverlässig zurück.

3. HYDRODRY-EFFEKT
Die Farbschicht beschleunigt die Rücktrocknung des Systems. IR-aktive Komponenten sorgen für eine gezielte Erwärmung der Fassade um bis zu 10 °C und fördern so die Abtrocknung.

Umwelt

UMWELT

Das HYDROCON®-System erfüllt die Anforderungen an besonders umweltfreundliche Produkte. Dank des patentierten und biozidfreien, rein physikalischen Wirkprinzips wurden die Systemkomponenten nach den Umweltkriterien der RAL-Gütegemeinschaft geprüft und mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel“ für umweltgerechten Wärmeschutz¹ ausgezeichnet.

1 Ausgezeichnet wurde LOBATHERM System M mit den Komponenten Mineralwolldämmung MW-035-PT (U, E, B) ab 140 mm Dämmstoffdicke, MW-036-PT-U ab 145 mm Dämmstoffdicke, MW-041-LA-B ab 165 mm Dämmstoffdicke, SKS nature, SKS-L Spachtel- und Klebemörtel leicht, HYDROCON® mineralische Edelputze und HC 425 HYDROCON® Silikat-Fassadenfarbe.

Seminar

SEMINAR

Fachseminar: Algen und Pilze an der Fassade - Hintergründe, Fakten und Lösungsansätze

Algen und Pilze an Fassaden sind ein zunehmendes Problem. Heute umfasst der mikrobielle Befall Algen, Pilze, Bakterien und immer öfter auch Flechten. Längst sind nicht mehr nur WDVS und hoch wärmegedämmte Mauerwerke betroffen, sondern selbst nicht sanierte Altbauten – und dies über alle Baustoffarten und Oberflächen hinweg.
Mit Dr. Thomas Warscheid, Harry Luik, Martin Sassning und Dr. Frederik Neyheusel liefern namhafte Referenten Hintergünde, Fakten und Lösungsansätze aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln.

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